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Wenn es schwer wird… Überlegungen, Anregungen zu Weihnachten

SeeleManchmal wird das Leben so zur Last – und manchmal sogar zu einer unerträglichen Last. Es gibt eine Tiefe, vor der ich jedes Mal verstumme – wo es einfach gilt „still“ zu sein. Viel ist schon erreicht, wenn es möglich ist, mein Leid, meine Trauer, meinen Zorn, meine Angst, meine Schuld, meine Scham nicht in mir zu verschließen, sondern auszusprechen und damit auch heraus zusprechen. Die meisten Eltern sagen mir, „ich bin froh, dass ich wieder arbeiten kann“. Warum das wohl so ist? (abgesehen von der Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit)

Gerade an Weihnachten, oder zur Jahreswende – wenn auch im Außen sich die hektische Welt schließen sollte und sich in unseren Breitengraden die Natur „zurückzieht“  – und es für Sie alle gilt, das erste, das zweite, das dritte, vierte usw. Fest ohne Ihr Kind zu begehen.  Hat sich etwas ereignet in der Zwischenzeit?

Vor ein paar Tagen schickte mir ein Freund eine schöne Geschichte aus ganz anderen Breitengraden unseres Planeten zu, die ich hier gern an Sie weitergeben möchte. Vielleicht kann der ein oder andere von den LeserInnen etwas damit anfangen. Die Geschichte heißt:


Quarrtsiluni
In alten Tagen feierten wir jeden Herbst große Feste zu Ehren der Seele des Wales, und diese Feste mussten stets mit neuen Liedern eröffnet werden; alte Lieder durften nie gesungen werden. Und da hatten wir den Brauch, dass in jener Zeit, in der die Männer ihre Worte zu diesen Hymnen suchten, alle Lampen ausgelöscht werden mussten. Es sollte dunkel und still im Festhaus sein. Nichts durfte stören, nichts zerstreuen. In tiefem Schweigen saßen die Männer, sowohl die alten wie die jungen. Diese Stille wurde Quarrtsiluni genannt. Sie bedeutet, dass man auf etwas wartet, das aufbrechen soll. Denn unsere Vorväter hatten den Glauben, dass die Gesänge in der Stille geboren werden. Dann entstehen sie im Gemüt der Menschen und steigen herauf wie Blasen aus der Tiefe des Meeres, die Luft suchen, um aufzubrechen. So entstehen die Heiligen Gesänge.


Majuaq, eine greise Eskimofrau

Manchmal meint man ja, tiefer, nein tiefer könne es nicht mehr gehen. Aber es kann. Wenn es jemand schafft, sich zu äußern, das heißt, etwas vom Inneren nach außen zu bringen, dann bedeutet das ein Stück Entlastung. Wenn es jemand schafft, dafür jemanden zu benennen, den oder die er anreden kann, dann entsteht noch eine Richtung. Und darin ist eine Energie spürbar, die sich nach Leben ausstreckt, eine Kraft, die auf Gestaltung aus ist. Schwerer, sehr viel schwerer wird es, wenn dies nicht mehr möglich ist – das Äußern nicht mehr und die Anrede nicht mehr.

Nun singen und suchen in unseren Breitengraden die Männer keine Hymnen mehr und in unseren Anrainermeeren verirrt sich höchstens mal ein Wal (wie der Wal im Sommer 2008 vor der Insel Rügen). Mir gefällt die Eskimogeschichte so gut, weil sie uns darauf hinweisen kann, dass aus unseren eigenen Tiefen vielleicht etwas „aufbrechen“ möchte zu Ehren der Seele. Und das die Stille, die oft so schwer auszuhalten ist, „gehört“ werden möchte. Die Stille „hören“ …. (paradox – nicht wahr?) – und wenn es die Stille auf dem Friedhof ist.

Und dies noch zum Schluss: von sehr vielen Müttern höre und lese ich, dass sie beginnen an ihr Kind zu schreiben (vielleicht tun die Väter es auch, aber sie erzählen es mir nicht). Oft entstehen auch Gedichte, Lieder.
Eine ganze Reihe von Untersuchungen weisen darauf hin, dass Schreiben, Gedichte schreiben, Hymnen „finden“ eine heilende Wirkung auf die eigene verwundete Seele habe.  Ein Anfang zum Schreiben, braucht manchmal eine Struktur, - eine ganz einfache – die ich Ihnen gleich vorstellen möchte

Wort
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Diese Gedichte nennt man auch „Elfchen“ , weil sie aus Elf Wörtern bestehen. Zum Abschluss in diesem Jahr, verabschiede ich mich bei Ihnen. Und freue mich, wenn ich Sie in den Gruppen, beim Cafe Weiterleben und/ oder auch im Gespräch wieder treffe.

Ganz viel Gutes, Gesundes für Sie und Ihre Familien


A. Hoeger