12. Jahreszeitenbrief

Jahreszeitenbrief III – 2015

Liebe verwaiste Eltern und liebe verwaiste Geschwister

Viele Wochen und Monate, z.T. Jahre, manchmal auch nur wenige Tage sind Sie und Ihr Kind hier in der Kinderklinik und im Freiburger Elternhaus gewesen. Wir haben Sie in dieser belastenden Familiensituation mit unseren Angeboten unterstützt und begleitet – unser Anliegen ist, Sie auch in der schweren Zeit von Abschied und Trauer nicht allein zu lassen.

Wenn Sie zu weit weg wohnen, um an den Elterngruppen und Gesprächsangeboten in Freiburg, Bühl oder Schopfheim teilzunehmen, kommt es Ihnen vielleicht entgegen, drei Mal im Jahr von uns zu hören mittels der Jahreszeitenbriefe.jahreszeitenbrief_nov_2015

Zum diesjährigen Herbst – Winterbeginn  möchte ich von Pauline und ihrer Mama erzählen.

Pauline starb in der Weihnachtszeit 2006 an einer onkologischen Erkrankung und ihre Mama hat jetzt – fast 10 Jahre nach dem Tod ihrer Tochter  – ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: Die Nacht bringt dir den Tag zurück.

Am dritten Todestag von Pauline, meldet sich ihre Mutter zu einem Seminar für Verwaiste Eltern an und während sie noch am PC sitzt, zögert sie, fragt sich selbst, ob sie nicht langsam genug geheult habe nach drei Jahren Trauerarbeit?  Und zum Glück erinnert  sie sich, dass man nicht zu viel, sondern nur zu wenig trauern kann – klickt – und schickt die Anmeldung zum Seminar ab.

Dort angekommen, blättert gleich  ihr „Alltagsgesicht“ ab und ihre Tränen beginnen zu laufen. In dem Seminar soll ein Brief an die verstorbenen Kinder geschrieben werden und im zweiten Schritt sollen die verstorbenen Kinder auf diesen Brief antworten. Aus Paulines Worten, drei Jahre nach ihrem Tod, möchte ich Auszüge hier wiedergeben:

„Liebe Mami, ich antworte dir aus der Unendlichkeit, aus dir heraus, denn du bist ja ich und ich bin du – also sollte das kein Problem sein. Du hast mir geschrieben, dass du Schuldgefühle hast, weil du mich aus deinem Bett ausquartiert hast, als ich klein war – damals – und dass du vielleicht nicht genug daran geglaubt hast, dass ich gesund werden kann. Aber alles, was du da schreibst, ist doch dein kleines Menschen-Ich. Schau, die Liebe ist doch viel, viel größer als deine kleinen Sorgen, glaub doch da mal dran. Du musst nicht so viel denken, sei ganz ruhig, alles ist gut.“

Der Brief geht noch weiter, wer ihn lesen möchte, möge sich dieses wunderbare Buch besorgen und vielleicht auch den Dokumentarfilm „Seelenvögel“, in dem Pauline mit zwei weiteren Lebensverkürzt erkrankten Kindern zu sehen ist. Der Untertitel des Films heißt übrigens: „Der wichtigste Moment ist immer der Augenblick“ und im Herzen des Films ist Stille, Frieden und eine große Schönheit.

Das erste Weihnachtsfest, verbringt Paulines Familie in einem ZEN-Kloster in Frankreich (sehr bewegend beschrieben) ….während der Weihnachtsfeier in der großen Meditationshalle, fallen Paulines Mama die Worte ihrer Tochter wieder ein, die sie schrieb – als die Mutter glaubte, Pauline würde überhaupt nicht über ihren Tod nachdenken:

Die Nacht bringt dir den Tag zurück

                            Der Mond die Sonne Stück für Stück

Damit, liebe Eltern, möchte ich den diesjährigen Jahreszeitenbrief schließen (die vorhergegangenen finden Sie auf der homepage: www.eltern-freiburg.de

Aus dem Elternhaus in Freiburg kommen wieder
Meine besten Wünsche
Für Geduld und Kraft

Annette Hoeger

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