18. Jahreszeitenbrief

Jahreszeitenbrief – III – 2017

Liebe verwaiste Eltern und liebe verwaiste Geschwister,

viele Wochen und Monate, z.T. Jahre, manchmal auch nur wenige Tage sind Sie und Ihr Kind hier in der Kinderklinik und im Freiburger Elternhaus gewesen. Wir haben Sie in dieser belastenden Familiensituation mit unseren Angeboten unterstützt und begleitet – unser Anliegen ist, Sie auch in der schweren Zeit von Abschied und Trauer nicht allein zu lassen.

Wenn Sie zu weit weg wohnen, um an den Elterngruppen und Gesprächsangeboten in Freiburg oder Bühl teilzunehmen, kommt es Ihnen vielleicht entgegen, drei Mal im Jahr von uns zu hören mittels der Jahreszeitenbriefe.

Erst vergangenen Samstag war der Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Kinder und davor unser Cafe´ Weiterleben im Haus sowie ein Hütten-Wochenende für verwaiste Geschwister. Alles Veranstaltungen, die uns helfen können, aus der Vereinzelung eines schwer erlittenen Schicksals in ein Miteinander Gedenken und ein Miteinander Tragen und Teilen zu kommen. Vielleicht haben einige unter Ihnen den Glauben an einen gütigen Gott, Ihr Vertrauen ins Leben verloren. Zu ohnmächtig musste man miterleben, welche Formen und Ausmaße die Erkrankung des Kindes annahm und dass selbst der High-Tech-Medizin Grenzen gesetzt sind.

Und jetzt kommt bald auch noch „dieses Weihnachten“, welches bei vielen betroffenen Familien am besten gar nicht stattfinden sollte.

Frau Beate Großmann schreibt in ihrem gerade erschienenen Buch, wie schwer es ist, sich Weihnachten zu entziehen, denn alles erinnert daran. Jeder lichtgeschmückte Tannenbaum, jedes Weihnachtslied, alles, was mit einem schönen vergangenen Weihnachten verbunden ist, ist schmerzlich. Die ruhige, besinnliche und auch selbst die gestresste Weihnachtszeit hat eine neue Bedeutung. Sie tut so weh. Jedes gesagte „Schöne Weihnachten“ oder auch schon eine Grußkarte ist ein Stich ins Herz.

Sich Weihnachten zu stellen, kostet Mut und Kraft. Gerade wenn Kinder in der Familie sind, haben diese ein Recht auf ihr Weihnachten, auch wenn sie deutlich wahrnehmen, dass es anders ist, denn auch sie vermissen den fehlenden Bruder/ die Schwester, schreibt diese betroffene Mutter weiter. Lakonisch stellt sie fest: Ein Weihnachten wie früher wird es nie mehr geben, um dann aber den Leser daran teilhaben zu lassen, welchen Weg und welche Auswege die Familie nach dem Tod des Sohnes Philipp immer wieder für sich gefunden hat.
Eltern, die zum ersten Mal in eine unserer Trauergruppen kommen, können meist nicht glauben, dass sich im Laufe der Zeit dieser nicht zu beschreibende Schmerz, den sie fühlen verändern wird, doch meistens lese oder höre ich später von Ihnen, dass sie es nun spüren (meistens nach drei Jahren): der Schmerz verändert sich, aber das erlittene Schicksal ist nicht verwunden.

Schließen möchte ich diesen Brief mit einem Aufruf aus dem Buch von Frau Großmann:

Schweigt bitte nicht, ihr dürft den Namen nennen
Es ist Balsam für meine Seele,
wenn ich deinen Namen höre,
wenn über dich
wie du warst,
gesprochen wird.
Es ist traurig und grausam,
wenn so getan wird,
als wärst du niemals bei uns gewesen
als hättest du nie gelebt.
Diese Stille ertrage ich nicht.

Aus dem Elternhaus in Freiburg kommen wieder

Meine besten Wünsche

Annette Hoeger

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