14. Jahreszeitenbrief

Jahreszeitenbrief – II – 2016

Liebe verwaiste Eltern und liebe verwaiste Geschwister,
viele Wochen und Monate, z.T. Jahre, manchmal auch nur wenige Tage sind Sie mit Ihrem erkrankten Kind und Ihr, liebe Geschwister, mit Eurem Bruder oder Eurer Schwester hier in der Kinderklinik und dem Freiburger Elternhaus gewesen. Wir haben Sie und Euch in der belastenden Familiensituation mit unseren Angeboten unterstützt und begleitet – so gut es ging. Unser Anliegen ist, Sie auch in der schweren Zeit von Abschied und Trauer nicht allein zu lassen.
Wenn Sie zu weit weg wohnen, um an den Gruppen und Gesprächsangeboten in Bühl, Schopfheim und Freiburg teilzunehmen, kommt es Ihnen vielleicht entgegen, drei Mal im Jahr von uns zu lesen.

jahreszeitenbrief2-16Mit viel Verspätung mache ich mich jetzt an den diesjährigen Sommerbrief. Die Ferien sind gerade zu Ende und vielleicht waren manche von Ihnen mit der Familie am Meer. In der Geschwisterspielstube ist das Ferienprogramm der letzten sechs Wochen ausgelaufen und es ist noch nicht so lange her, da waren meine Kolleginnen mit 21 Kindern, deren Geschwister aktuell in Behandlung sind, an der Nordsee. Am Meer erholen wir uns besonders gut. Das können alle bestätigen, die mit den kleinen Patienten in der Syltklinik waren oder vielleicht auch – jenseits der Onkologie – schon Zeit am Meer verbringen durften. Die ersten Ausrufe derjenigen Kinder, die zum ersten Mal in ihrem Leben das Meer sehen durften, waren: „wow, schaut mal: DAS MEER“. Es sind wohl nicht nur die Sandburgen, Muscheln, Wind und Wellen und die Gezeiten, die uns so gut tun und uns so tief berühren, sondern vor allem die Tatsache, dass alles Leben dem Wasser entspringt. Wir brauchen das nicht zu verstehen, weil wir es fühlen. Eltern, die ein Kind verloren haben und sich des Abends einem überwältigenden Sternenhimmel und dem Rauschen der Wellen genübersehen, kommen manchmal mit etwas Numinosen, Unsagbaren, Ewigen in Berührung, in dem neue Kraft für ein Leben „Mit-Ohne“ dem verstorbenen Kind gesammelt werden kann.
Leider weiß ich nicht, wer die folgenden Zeilen verfasst hat, aber ich finde viel Tröstliches in ihnen

 

DU BIST ÜBERALL

Ich seh dich und ich fühl dich
Doch ich will dich nicht stören
Ich seh dich und berühr dich
Ich weiss du kannst mich hören
Ich kann mich oft nicht wehren
Gegen Trauer gegen Schmerz

Doch wenn es richtig schlimm wird
Dann kommst du in mein Herz
Ich will manchmal wissen
Wie das ist in deiner Welt
Ist das oben oder unten
Wird dort auch ein Jahr gezählt?

Du bist weg und immer da
Engel fliegen wunderbar
Durch die Zeit und Tag und Nacht
Ich bin heut wieder aufgewacht
Du bist weg und immer da
Das Gefühl ist wunderbar
Wir rauschen durch die Zeit
Und du bist überall

Ich will manchmal wissen
Wie das ist in deiner Welt
Ist das oben oder unten
Wird dort auch ein Jahr gezählt?
Ich halt mich fest an dir
Ich wehre mich noch zu verstehen
Wir beide müssen frei sein
Für ein neues Wiedersehen

Annette Hoeger
Aus dem Elternhaus in Freiburg

Die vorhergegangenen Jahreszeitenbriefe finden Sie unter www.eltern-freiburg.de

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