13. Jahreszeitenbrief

Jahreszeitenbrief  I – 2016

Liebe verwaiste Eltern und liebe verwaiste Geschwister,

viele Wochen und Monate, z.T. Jahre, manchmal auch nur wenige Tage sind Sie mit Ihrem erkrankten Kind und Ihr, liebe Geschwister, mit Eurem Bruder oder Eurer Schwester hier in der Kinderklinik und dem Freiburger Elternhaus gewesen. Wir haben Sie und Euch in der belastenden Familiensituation mit unseren Angeboten unterstützt und begleitet – so gut es ging. Unser Anliegen ist, Sie auch in der schweren Zeit von Abschied und Trauer nicht allein zu lassen.

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Wenn Sie zu weit weg wohnen, um an den Gruppen und Gesprächsangeboten in Bühl, Schopfheim und Freiburg teilzunehmen, kommt es Ihnen vielleicht entgegen, drei Mal im Jahr von uns zu lesen.

Der Mai hat grad begonnen und für einen Jahreszeitenbrief, der noch im Frühjahr erscheinen soll, drängt die Zeit. Gerade eben erst liegt unser Cafe Weiterleben zurück, zu dem wir zwei Mal im Jahr Eltern mit Geschwisterkindern einladen, deren Bruder/ Schwester verstorben ist. Wir fragen uns immer wieder: ist es ein Trost, wenn man auf diese Weise zusammen kommt? Können wir überhaupt trösten? Ist es nicht sogar furchtbar anstrengend für die Betroffenen, sich wieder hier her auf das Gelände der Kinderklinik und somit ins Elternhaus zu begeben?

Niemand kann einem anderen die Anforderungen, die das Leben stellt, abnehmen oder gar wegmachen, aber wir können füreinander da sein mit unserer Aufmerksamkeit und Bereitschaft zuzuhören, aufzufangen und Impulse zu geben. Beim Cafe Weiterleben geht es nicht nur um die Eltern (die manchmal tapfer die drei Stunden durchstehen). Es geht auch um die Geschwister, die in ihrer Trauer zuhause oft „unsichtbar“ bleiben. Endlich gibt es Gelegenheit Anneka, Sabine und Miriam wiederzusehen, von sich zu berichten und andere Kinder und Jugendliche, die ebenfalls jemanden verloren haben, zu treffen. Jetzt gibt es ein „Beginn“ und ein „Ende“, bei dem sich die Geschwister bewusst von den Kolleginnen verabschieden können um sich auf ein nächstes Wiedersehen zu freuen (beim Cafe Weiterleben im Herbst) oder sogar auf der Freizeit für Verwaiste Geschwister vom 11.-13.11.2016 (Einladungen kommen rechtzeitig). Während der stationären Aufenthalte der erkrankten Geschwister waren bewusste Abschiede ja nicht möglich und Zeitplanungen immer der Dynamik des Krankheitsverlaufs unterworfen.

Wenn wir nun beobachten, dass sich Geschwisterkinder öffnen, lachen und weinen, sind wir nach jedem Cafe Weiterleben erfüllt und zugleich erschöpft. Unsere Erschöpfung kommt u.a. auch daher, dass wir gerne trösten würden und nicht wirklich trösten konnten. Die schlimme Realität, dass das verstorbene Kind wirklich nicht mehr kommt, lässt den Schmerz und die Trauer aufsteigen und die Untröstlichkeit neu bewusst werden. Es ist wohl ein Paradox, dass in dem Zulassen der Untröstlichkeit der vorläufig einzige Trost besteht.

Schließen möchte ich diesen Brief mit einer alten Weisheit, in der Hoffnung, dass Sie und Ihre Familien immer wieder verweilen, um sich zu stärken und nicht aufzugeben

Bedenke: Ein Stück des Weges liegt hinter dir,
ein anderes Stück hast du noch vor dir.
Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken,
nicht aber, um aufzugeben.

Augustinus Aurelius

Annette Hoeger
Aus dem Elternhaus in Freiburg

Die vorhergegangenen Jahreszeitenbriefe finden Sie unter www.eltern-freiburg.de

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